Das menschliche Bedürfnis nach einer Ordnung der Welt vollzieht sich nicht zuletzt im Unterscheiden vom „Eigenen“ und „Fremden“. So wurzeln zahlreiche Selbst- und Fremdbilder in langen Traditionen. Seit dem 19. Jahrhundert etablierten sich in den europäischen Nationalstaaten Vorstellungen über andere Völker und Ethnien zu öffentlichen Gesamtbildern – und trugen maßgeblich zum kollektiven Selbstverständnis der jeweiligen Staaten und ihrer Gesellschaften bei. In Deutschland und Russland treten nationale Stereotype im öffentlichen und privaten Leben, in Kunst und Kultur, in Politik und Wissenschaft immer wieder in Erscheinung. Vorurteil und Realität liegen dabei oft weit auseinander.
Im 19. Jahrhundert bewegte sich das Russlandbild der Deutschen wie kein anderes Fremdbild in einem extremen Spannungsfeld von Furcht und Faszination. Im 20. Jahrhundert setzte sich ein negatives Bild von Russland durch. Angst- und Feinbilder gewannen immer größeres Gewicht und führten in der Zeit des Nationalsozialismus zum Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Dagegen hegte die russische Gesellschaft über Jahrhunderte vorwiegend Bewunderung und Neugierde für Deutschland. Erst die Bedrohung und reale Erfahrung im Zweiten Weltkrieg bewirkte, dass die Öffentlichkeit den Deutschen als Schreckbild wahrnahm. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war von einem langsamen Abbau der Konfrontation geprägt. Doch auch heute noch zeigen positive und negative Stereotype ihre nachhaltige Wirkung.
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Zur Ausstellung erschien ein Begleitband im Christoph Links Verlag
ca. 300 Seiten, 110 farbige Abbildungen.
Ausstellungskonzept und Projektleitung: Dr. Peter Jahn
Kuratoren: Andrea Moll., Dr. Philipp Springer
wiss. Mitarbeiterin: Andrea Kamp
Ausstellungsbüro: Nicole Klause
Öffentlichkeitsarbeit / Rahmenprogramm: Andrea Moll
Projektleitung: Tamara Igumnowa
Kuratorinnen: Ljudmilla Dementjewa, Lija Indshija, Diana Kondratenko,
Natalja Tschewtaikina